Vision Tempelhof

von | 14. Juni 2019

BerlinDen weiten Heimweg zurück aus Polen konnten wir natürlich nicht ereignislos über uns ergehen lassen. Und so kam es, dass wir noch einen Halt in Berlin einlegten. Dies wurde uns durch die Zusammenarbeit mit Tempelhofer Feld Vision (THF Vision) ermöglicht. Passend zu dem Tätigkeitsbereich der Organisation kam es dabei zu der Idee, die Kuppel auf dem Tempelhofer Feld aufzubauen. Unsere Praktikantin Helene Paul berichtet.

Nach dem Halt in Krakow, wo die Kuppel auch nur einen Tag stand, waren wir es auch wieder gewöhnt sie an einem Tag auf- und abzubauen. Und für den Tag in Berlin hatten wir extra ein längeres Zeitfenster eingeplant, um mit so vielen Menschen wie möglich ins Gespräch zu kommen. Sowohl die Tatsache, dass es sich um einen Freitag handelte als auch, dass an diesem Tag das Event 48h Neukölln startete, half bei der Anzahl an Menschen, die an unserem Dome vorbeikamen. Das Tempelhofer Feld ist natürlich auch so schon ein beliebter Ort für Sportler*innen, Reisende und viele mehr.

Wir verließen unsere Unterkunft extra relativ früh, um entsprechend der Wettervorhersage noch vor der Mittagshitze mit dem Aufbau fertig zu sein. Dabei machten uns die strikten Auffahrtsregelungen des Feldes und der Berliner Verkehr erstmal einen Strich durch die Rechnung. Mit einer guten Stunde Verspätung kamen wir dann aber doch erfolgreich an unserem Platz auf dem Feld an und begannen den Aufbau.

„Der soziale Raum in Europa muss ausgebaut werden. Stärkerer sozialer Austuach muss in den Köpfen ankommen, damit wir dann eine gemeinsame Gesellschaft aufbauen können. Entfaltungsmöglichkeiten müssen für alle Menschen geschaffen werden.“ Teilnehmerin unter der Kuppel

European Public Sphere

Einer unserer vielen Dome-Talks des Tages
Die Kuppel mit ihrem bunten Schwungtuch auf dem Tempelhofer Feld

Die tatkräftige Unterstützung von vier helfenden Händen ermöglichten es dabei, dass wir schlussendlich gar nicht so viel zu spät fertig wurden. Ein persönliches Highlight war dabei die abschließende Handlung des Aufbaus, unser, extra für dieses Event neu erworbenes, buntes Schwungtuch als Sonnenschutz über die Kuppel zu spannen.

Als grobes Überthema der Gespräche, die wir dort führen wollten, diente die Frage: „Wie sieht eine soziale Gesellschaft aus?“. Da wir während der meisten Zeit nur zu zweit waren und so eine Person für die Moderation und die andere für das Aufnehmen des Gesprächs zuständig war, ergab es sich, dass wir anstatt einer großen viele kleine Gesprächsrunden durchführten.

Anhaltspunkt für den Bereich der sozialen Gesellschaft, um den es sich in der Unterhaltung drehte, war immer der Fokus, den die Teilnehmenden selbst setzten. So ging es einerseits um die symbolhafte Wirkung des Tempelhofer Feldes, als ein Raum, der eine Form von sozialer Gesellschaft widerspiegelt. Andererseits wurden die Europawahlen, ihre Transnationalität und die daraus folgende Frage der Transnationalität einer sozialen Gesellschaft durch gemeinsame Banken, Versicherungen und Verkehrssysteme angesprochen.

Daran anknüpfend wurde auch der soziale Raum in Europa bezüglich der vorhandenen Entfaltungsmöglichkeiten, insbesondere für Menschen mit Einschränkungen, thematisiert. Auch da hörte es noch nicht auf, auch Migration und Integration wurden als Aspekte einer sozialen Gesellschaft genannt und bei einem Ländervergleich mit Italien in Perspektive gesetzt. 

 

Das Thema der Migration fand dann erneut Anwendung, jedoch in den externen Handlungen der EU und bezüglich der Frage einer möglichen europäischen Armee im Spezifischen und der Aufrüstung im Allgemeinen. Insgesamt knüpften alle diese Aspekte dabei an der Problematik an, inwiefern wir als Bürger*innen gehört werden oder Möglichkeiten zur Mitgestaltung haben.Diesbezüglich wurde schlussendlich noch diskutiert, ob und wie direktdemokratische Methoden an dieser Stelle die Ausgestaltung einer sozialen Gesellschaft nach unseren Vorstellungen voranbringen könnten.

Über diese inspirierenden Gespräche hinaus, sprachen uns außerdem eine Vielzahl an Menschen an, die sich für die Kuppel selbst oder auch für unser Projekt interessierten. Vor allem das bunte Schwungtuch lockte dabei selbst über eine weite Entfernung. Manche waren auch nicht bereit hineinzukommen, teilten aber dennoch außerhalb der Kuppel ihre Ideen zu Europa, einer sozialeren Gesellschaft oder auch unserem Projekt allgemein. Wir blieben konstant im Gespräch und mussten uns erinnern, auch mal etwas zu essen oder neues Wasser zu kaufen. Der Tag verging wie im Flug.

So war es dann um 19 Uhr auch Zeit für den Abbau. Wie der Aufbau ging auch dieser schnell von dannen, da wir zwei fleißige Helferinnen hatten. An dieser Stelle auch ein großes Dankeschön an Heike von THF Vision, die dieses Event möglich gemacht und uns tatkräftig unterstützt hat. Als auch die letzte Holzstrebe im Wagen gelandet war, konnten wir als krönenden Abschluss noch den sich verfärbenden Himmel beobachten. So ergab sich, was vorher eine Person berichtete: „Wo kann man in der Stadt schon noch den Sonnenuntergang sehen?“ – auf dem Tempelhofer Feld auf jeden Fall. Besser hätten wir diese lange Tour mit über 3200 km, quer durch Polen und schlussendlich in Berlin, nicht beenden können.

 

„Wo kann man in der Stadt sonst schon noch den Sonnenuntergang sehen?“