Die Jugend für die Baltic Sea

von | 12. Juni 2019

Sobieszewo (Danzig) | Für den zweiten Halt unserer Polen-Tour fuhren wir zum Hotel Orle auf der Insel Sobieszewo, etwas außerhalb von Gdańsk. Mit Unterstützung der GLS Treuhand e.V. nahmen wir am ersten Baltic Sea Youth Camp teil, einem Festival, das darauf abzielt die Beteiligung der Jugend im Baltikum und dem insgesamten Ostseeraum zu verbessern und zu verstärken. Dies würde, nach unserem Halt in Krzyżowa, nun das zweite Mal sein, wo wir ausschließlich junge Menschen unter unseren Dom einluden. Unsere Praktikantin Helene Paul berichtet.

Nach einer langen und heißen Fahrt in unserem Van ohne Klimaanlage kamen wir einen Tag vor dem Beginn der Veranstaltung im Hotel an. So konnten wir uns etwas entspannen und herausfinden, wo wir den Dome aufbauen, um am nächsten Morgen direkt loslegen zu können. Eine unserer ersten Handlungen war natürlich auch ein Spaziergang zum Meer, um die Wellen zu begrüßen und den Sand zwischen unseren Zehen zu spüren.

Darin spiegelt sich auch definitiv ein Höhepunkt der Reise mit dem Dome wider, die uns zu immer wieder anderen und schönen Orten brachte. Da wir relativ erschöpft von der Fahrt waren, nutzen wir den freien Abend und gingen früh ins Bett.

 

Die wunderschöne Kulisse der Kuppel in Danzig
„Wir leben in einem digitalen Zeitalter, aber wir nutzen unsere Online-Kommunikation nicht, um über die Probleme der Welt zu sprechen. Wir zeigen die schönen Orte, aber nicht die Vermüllung oder sterbende Tiere.“ Teilnehmerin unter der Kuppel

European Public Sphere

Der nächste Morgen begann dann tatkräftig, jetzt wurde der Dome aufgebaut. Wir starteten alleine, nur zu zweit, bis die ersten der Organisator*innen der Veranstaltung eintrafen und einer von ihnen netterweise bereit war, uns beim weiteren Aufbau zu helfen. Hinter dem Hotel kam so die Holzstruktur langsam zusammen und gab ein gutes Bild ab, umgeben von Bäumen. Ziel war es, den Dome rechtzeitig für die ersten ankommenden Teilnehmenden des Camps fertig gebaut bereit zu haben. Wir haben unsere persönliche Zeitvorgabe eingehalten und konnten sie herzlich begrüßen.

Da sie alle noch ziemlich müde von ihrer Reise waren und im Rahmen des Programms bereits Pläne für den Nachmittag hatten, nutzten wir diesen Tag hauptsächlich, um unser Projekt vorzustellen und ein paar kurze Gespräche darüber zu führen, was wir so machen und wie sie in den nächsten Tagen teilnehmen können. Der Tag endete dann mit dem Kennenlernen einiger Teilnehmenden, weiteren Erklärungen, was wir im Camp machen; das Ganze bei einem Feierabendgetränk in guter Gesellschaft.

Am nächsten Tag hatten wir „frei“ und nutzten die Zeit, um an den Berichten von vorherigen Stationen des Domes zu arbeiten und uns auf die beiden kommenden, Krakau und Berlin, vorzubereiten. Zwischendurch sprachen wir immer wieder mit einigen der Camp-Teilnehmenden, um herauszufinden, woran sie arbeiteten und wie es ihnen gefiel. Wir verbrachten auch eine Weile am Dome, um bereit zu sein, wenn jemand Fragen hat.

Am zweiten Tag des Camps waren wir schließlich auch als ein Programmpunkt eingeplant und wurden von einer Schulklasse der Danziger Ballettschule besucht, die sich davor auch bei den Camp-Teilnehmenden vorgestellt hatte. Sie wurden von zwei ihrer Lehrer begleitet, die bei Übersetzungen halfen, wenn es mit Englisch während unseres Gesprächs manchmal zu kompliziert wurde. Am Anfang waren sie noch etwas schüchtern, nicht sicher, ob das, was sie für wichtig hielten relevant war oder jemals berücksichtigt werden würde. Dies stand in direkter Relation zu dem Ziel des Camps, junge Stimmen hervorzuheben, aber auch zu unseren allgemeinen Ambitionen, die Meinungen aller zu hören und die Stimmen der Bürger*innen im Allgemeinen hervorzuheben.

Unser Dome-Talk in Danzig
2 unserer Interviewpartner*innen beim Baltic Youth Camp 
Diesen Beitrag teilen:

Die jüngeren Menschen hatten auch hier das Gefühl, dass ihre Sorgen nicht berechtigt seien und von Politiker*innen nicht gehört werden würden. Dies stellte sich als ein immer wiederkehrendes Thema heraus, da es auch an das anknüpfte, was die Schüler*innen in Krzyżowa bereits gesagt hatten.

Die Hauptthemen des Gesprächs waren Nachhaltigkeit, Jugendengagement und die Rolle von Kultur. Die Schüler*innen betonten dabei besonders die Rolle der sozialen Medien und wie das digitale Zeitalter es uns erlaubt, unser Leben online zu gestalten und zu teilen, aber dass wir uns anscheinend darauf konzentrieren, die schönen Seiten zu zeigen, anstatt die Herausforderungen, mit denen wir derzeit konfrontiert sind. Der Fokus lag dabei insbesondere auf Umweltverschmutzung. Sie erwähnten dabei auch innovative Wege zur Bekämpfung von Plastikmüll, wie z.B. durch essbare Wasserkugeln.

Da die Teilnehmenden des Baltic Youth Camps fleißig an ihrer gemeinsamen politischen Erklärung arbeiteten, nahmen wir uns die Zeit, den Dome zu verlassen und sie um kurze Aussagen über Europa zu bitten. Die Befragten erwähnten an dieser Stelle eine Bandbreite von Themen: Klimawandel, die Einbeziehung junger Menschen, die europäische Bürokratie, Rodung und vieles mehr.

 

Nach diesen Interviews sammelten wir unsere sieben Sachen zusammen und begannen mit dem Abbau der Kuppel um am nächsten Tag bereit zu sein, nach Krakau zu fahren. Diesmal hatten wir mehrere Helfer, auch vor musikalischer Kulisse, und waren sehr schnell fertig. Gerade noch rechtzeitig, denn gleich nachdem wir die letzte Leiter in den Van geladen hatten, fielen die ersten Regentropfen. Dann nahmen wir an den Abendaktivitäten des Camps und der kleinen Abschlussparty teil. Ein schöner Ausklang für den Tag und unseren Aufenthalt im Camp.

Alles in allem hat unser Aufenthalt in Danzig einen guten Eindruck davon vermittelt, wie junge Menschen aktiv werden (können), um ihre Stimme zu erheben und die aktuelle politische Landschaft zu verändern. Der längere Aufenthalt ermöglichte es uns, einen Einblick in das Camp zu bekommen und natürlich auch davon zu profitieren, dass wir den Dom nicht noch am selben Tag auf- und abbauen mussten – das ist der wahre Luxus. Schlussendlich bot uns unser Gespräch, wie auch in Krzyżowa, die Möglichkeit, unseren Ansatz und Vorgehen bei dem Kuppelgespräch für ein jüngeres Publikum zu verbessern.

Einige Fotoeindrücke von unserem Dome-Event: