Schengen – Grenzenloses Europa

von | 18. Mai 2019

Schengen| Mit den zwei Stationen in Luxemburg ging die BeNeLux-Tour der European Public Sphere langsam auf ihr Ende zu. Aber noch war es nicht vorbei. Sowohl Schengen als auch Luxemburg-Stadt waren weitere wichtige Stationen für unsere Kuppelgespräche und lieferten lebhafte Diskussionen. Unsere Praktikantin Helene Paul berichtet.

Die erste Station war Schengen, die wohl europäischste Stadt der Europäischen Union (EU). Dort, eingebettet im Dreiländereck Luxemburg, Frankreich und Deutschland, sind die Vorteile der Europäischen Union direkt vor Ort zu spüren. Positive Assoziationen mit Europa ergeben sich aus der Mischung von Sprachen, die überall zu hören sind und dem schnellen und einfachen Grenzübertritt, der fast zufällig passieren kann, der Vielfalt der Menschen sowie der historischen Bedeutung der Stadt Schengen.

Vor dem Hintergrund dieser Gegebenheiten konzentrierten sich die Kuppelgespräche auf die EU-spezifischen Themen der Integration und der Regionen. Aber zuerst musste die Kuppel aufgebaut werden. Bequem konnten wir die Grenzenlosigkeit nutzen und ein günstiges Appartement in Deutschland mieten. So mussten wir nur 20 Minuten fahren und kamen pünktlich in Schengen an, trotz des frühen Morgens.

Der Dome von der deutschen Seite der Brücke
Vielleicht fehlt uns ein Projekt (…). Sollten wir nicht einfach neue Themen, wie Innovation, alles Digitale, alles, was mit Forschung zu künstlicher Intelligenz zu tun hat lancieren? Wir könnten so viele Sachen in Europa machen, wir verlieren unsere Fähigkeiten, unsere Skills um das, was wir in Europa haben auszuschöpfen. Teilnehmerin unter der Kuppel

European Public Sphere

Dort angekommen, hatten wir alle Genehmigungen und Vorkehrungen für den Aufbau der Kuppel vorbereitet und konnten sofort loslegen. Wir hatten das Glück, die Unterstützung von Alfred Groff von der Initiativ fir Demokratie-Erweiderung aus Luxembourg und von dem Team von Mehr Demokratie Saarland zu erhalten. Sie halfen uns den Dome zu errichten, eine Schraube nach der anderen. Da die meisten von uns den Dome bisher noch nicht aufgebaut hatten und Anne, die Leiterin des Projekts und Erfahrenste im Aufbau, durch eine Verletzung behindert wurde, dauerte es länger als sonst. Glücklicherweise konnte auch das unsere Stimmung nicht brechen und der Anblick, wie der Dome Stück für Stück zusammenkam, trieb uns immer weiter voran.

Schließlich stand der Dome stolz inmitten der Flaggen der Mitgliedstaaten des Schengener Abkommens, direkt vor dem Europäischen Museum und am Flussufer, mit dem Slogan der Stadt/Region im Hintergrund: „Die Wiege eines grenzenlosen Europas“. Dass unser Dome bis zu diesem Zeitpunkt bereits eine Vielzahl von Ländergrenzen überschritten hatte und damit ein weiteres Beispiel dafür war, was Europa für uns bedeutet und was wir aus Europa machen können, passte dabei perfekt ins Bild.

Der erste Dome Talk begann dann direkt und konzentrierte sich auf die EU-Integration. Diese Gesprächsrunde ermöglichte es dabei allen Teilnehmer*innen, eine erste Stellungnahme darüber abzugeben, was die EU für sie bedeutet und worüber sie gerne sprechen wollen. Unter Berücksichtigung der Integration als Leitmotiv entwickelte sich das Gespräch rege weiter und brachte einzelne Themen zum Vorschein. Darunter der Anstieg des Nationalismus, wie wir (unzureichend) mit der Migrationskrise umgegangen sind und wie solche Themen in Zukunft angegangen werden müssten. Die verschiedenen Kommentare zeigten, dass die Mitgliedstaaten ihre Zusammenarbeit in diesen Fragen verstärken und sich der Herausforderung mit kollektiven und nicht mit isolierten Maßnahmen stellen sollten. Im Mittelpunkt aller Argumente stand auch die Notwendigkeit, immer die Demokratie im Auge zu behalten: die Demokratie durch Zusammenarbeit zu stärken und stets nach Lösungen zu suchen, die Bürger*innen und die Zivilgesellschaft einbeziehen.

Schließlich äußerten die Teilnehmer*innen auch, dass auch die Bürger*innen selbst eine Rolle spielen. Ihrerseits tätig zu werden, wird in der Frage, wie die aktuellen politischen Probleme gelöst werden können, als unerlässlich angesehen. Im Wesentlichen sollten die Bürger*innen ihre Bedenken äußern und laut werden, damit die Politiker*innen den Handlungsdruck spüren.

Luxemburger, Deutsche, Franzosen, Briten, alle gemeinsam unter dem Dach des Europe-Domes 
Video der Dome-Talks in Luxemburg

Ein Höhepunkt des ersten Vortrags war außerdem die Teilnahme eines britischen Ehepaares, das uns Einblicke in persönliche Erfahrungen sowie ihre Meinungen zum Brexit gab. Sie hoben ebenfalls positive Aspekte der Integration hervor, indem sie uns von ihren regelmäßigen europäischen Urlauben erzählten, bei denen sie von der Grenzenlosigkeit Europas profitierten.

Nach einer Mittagspause und einer notwendigen Tasse Kaffee ging es dann weiter mit unserem zweiten Dome Talk. Das Thema dieses Gesprächs waren EU-Regionen. Während dieser Sitzung begrüßten wir ein französisches Paar, das einige interessante Anmerkungen dazu machte, wie die EU dort empfunden oder wahrgenommen wurde, wo sie herkamen. 

 

Ein wiederkehrendes Thema war dabei, dass die Menschen oft nicht wirklich mit der EU oder der Vorstellung von Europa in Kontakt kommen und nur die negativen Seiten, zum Beispiel der EU-Vorschriften, wahrnehmen würden. Bildung und die Art und Weise, wie Europa und die EU in der Schule unterrichtet werden, wurden ebenfalls als kritischer Punkt hervorgehoben. Im Hinblick auf die aktuellen Proteste durch Kinder und Jugendliche in Europa wurde die Bereitschaft für „politisch sein“ gepriesen.

Daraus folgte jedoch der Einwurf, dass wir nun auf diesen Entwicklungen aufbauen sollten. Europa müsse noch mehr zu einem Diskussionspunkt im öffentlichen politischen Diskurs werden und wir sollten versuchen, die noch nicht informierte oder ausreichend bereitwillige Jugendbevölkerung ebenfalls zu animieren. Insgesamt ergab sich, dass sich eine ebensolche Dynamik auf die gesamte Gesellschaft übertragen müsste.

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Das britische Pärchen

Beide Gespräche bauten auf einer Vielzahl von Meinungen und Perspektiven auf und insbesondere die persönlichen Erfahrungen der beiden Paare im Urlaub aus Großbritannien und Frankreich gaben einen großartigen Input für die Diskussion. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wo verschiedene Menschen thematische Schwerpunkte setzen, sei es bei Kultur, Bildung oder Politik.

So wie immer, ging der Abbau der Kuppel dann schneller als der Aufbau. Kollektive Anstrengungen eröffneten sich wieder als notwendige und bestimmende Dynamik. Die gemeinsame Bewältigung der Herausforderung ist es, was unser Projekt möglich macht, und sie ist es, die auch Europa möglich macht.

Einige Eindrücke unseres Dome-Events: