Luxemburg – Vielfalt natürlich feiern

von | 19. Mai 2019

Luxemburg| Unsere zweite Station in Luxemburg, und auch die Endstation der BeNeLux-Tour, fand in Luxemburg-Stadt statt. Dort bauten wir unsere Kuppel auf dem Place de Clairefontaine, in unmittelbarer Nähe zu vielen Sehenswürdigkeiten der Stadt, wie dem Palast, dem Parlamentsgebäude und der Kathedrale Notre Dame. Unsere Praktikantin und Mitbauerin Helene Paul berichtet.

Wie üblich waren wir ziemlich früh dort, um mit dem Aufbau zu beginnen und rechtzeitig für unsere Gespräche am Mittag bereit zu sein. Wir hatten Glück, mit unserem Transporter auf den Platz fahren zu können, sodass wir die Holzbalken nicht zu weit tragen mussten. Mit Hilfe von Gerhard, einem der Organisatoren der European Public Sphere von IG Eurovision, und Alfred, einem Einheimischen und Mitglied der Initiativ fir Demokratie-Erweiderung, lief alles reibungslos. Gerhard, der normalerweise mit der anderen EPS-Kuppel mit einem anderen System reist, konnte nun einmal wieder zum Akkuschrauber greifen und war uns eine große Hilfe, besonders nachdem der Aufbau in Schengen am Vortag etwas länger dauerte.

Als der Dome dann bald stolz neben dem Denkmal der Großherzogin stand, hatten wir sogar noch etwas Zeit übrig – es war Zeit für ein schnelles Frühstück oder besser gesagt das Mittagessen. Dazu gingen wir ins Chocolate House, ein bekannter Ort, um großartige belgische und französische Schokolade zu kaufen. Dort nutzten wir die Zeit, um während des Brainstormings über die kommenden Gespräche mit Hilfe von köstlichen Salaten und Quiches Kraft zu tanken.

Teilnehmende des ersten Dome-Talks
Zum Beispiel Italien und Deutschland, wenn es um Politik geht, vor allem um Familienpolitik, aber auch andere Dinge, regen dazu an darüber nachzudenken, wie schön es wäre, wenn es noch einfacher wäre sich zwischen europäischen Ländern zu bewegen. Denn natürlich haben wir schon viele Freiheiten, aber es gibt immer noch viele Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Ländern. Und die Systeme um vom einen zum anderen Land zu gehen, was wir (Anmerkung der Autorin: als europäische Familie) offensichtlich gemacht haben, könnten noch viel einfacher sein. Teilnehmerin unter der Kuppel

European Public Sphere

Das erste Gespräch begann dann pünktlich um 12:30 Uhr. Zu unserer Freude tauchte ein Team von RTL auf, nachdem Alfred ihnen von unserem Projekt erzählt und diese sich dann für die Veranstaltung interessiert hatten. Sie filmten einen Teil der Gespräche und interviewten Anne, unsere Hauptorganisatorin des Projekts. Um das Interview zu finden, können Sie „Publikationen“ auf unserer Website besuchen. Dort ist es unter TV gelistet: „RTL (19.Mai 2019 | Halt: Luxemburg): En Doum fir Europa an der Stad.“.

Im ersten Gespräch ging es um Ökologie. Die Debatte drehte sich dabei dann um die Frage, wie wir die aktuelle Klimapolitik voranbringen können. Sollten wir dem repräsentativen System vertrauen und Druck in diese Richtung ausüben oder versuchen, die direkte Demokratie zu stärken, um die aktuellen Herausforderungen zu bewältigen? Dabei ging es auch um Fragen einer „Klimadiktatur“, den Aufruf zu einem Klimanotstand, Petitionen zu Klimafragen und die Proteste von Fridays For Future.

Besonders interessant war es, die verschiedenen Ländererfahrungen zu hören. So zum Beispiel die eines russischen Paares, das definitiv kritische Punkte in Klima- und Umweltfragen sah, sie aber auch mit einer eher positiven Seite ausglich und darlegte, wie die globale Erwärmung ihrem Land zugutekommen könnte. Zu einem Zeitpunkt während des ersten Gesprächs hatten wir insgesamt Menschen aus Polen, Russland, Griechenland, Portugal, Luxemburg, Österreich und Deutschland unter dem Dome – eine großartige Visualisierung unseres Ziels, eine europäische Öffentlichkeit zu ermöglichen. Dies wurde mitunter dadurch erleichtert, dass mehr als 40 Prozent der Bevölkerung in Luxemburg aus dem Ausland stammen.

Nach dem Gespräch nutzten wir unsere Pause, um weiter mit einem interessierten jungen Mann aus Griechenland zu sprechen. Er war sehr engagiert in der ersten Diskussion und plante, auch für die zweite Runde dabei zu bleiben.

Video der Dome-Talks in Luxemburg
Er bot uns sogar an, uns zu helfen, die Kuppel später abzubauen. Das nahmen wir mit Freuden an, da Gerhard gehen musste und uns nun eine helfende Hand fehlte. Während der Pause sprachen wir auch weiter mit Leuten außerhalb des Domes, die alle neugierig über unser Projekt und unsere Mission waren. Ein Mann aus Frankreich sah, dass wir zuvor über Ökologie gesprochen hatten und äußerte seine Leidenschaft für die Debatte über die Probleme von (Plastik-)Müll. Wir gerieten in eine tolle Diskussion darüber und luden ihn ein, für unser zweites Gespräch zu bleiben. Obwohl er die Diskussion nicht abbrechen lassen wollte, war er dennoch nicht bereit an dem eigentlichen Gespräch teilzunehmen. Nachdem dann jedoch ein paar Leute dazukamen, um sich für die zweite Runde hinzusetzen, war auch er bereit, doch noch für eine Weile zu bleiben.

Damit begann unser zweites Gespräch. Dabei ging es um kleinere Staaten innerhalb der EU. Die Diskussion begann damit, dass alle Teilnehmenden über ihre Erfahrungen mit der Integration und Einordnung ihres Landes in das EU-System berichteten. Daraus entwickelte sich eine Debatte über EU-Projekte und -investitionen, insbesondere in Griechenland und Portugal, wo die beiden hauptsächlich darüber diskutierenden Personen herkamen.

Der zweite Dome-Talk in Luxemburg
Da wir auch ein deutsch-italienisches Paar mit ihrem Kind unter der Kuppel hatten, und der Mann im kulturellen Bereich arbeitete, kamen auch Fragen darüber auf, was es bedeutet, Europäer*in zu sein, und ob es eine europäische Identität gibt. Ihr Status als Eltern ermöglichte dann auch noch einen Einblick in die Familienpolitik in den verschiedenen EU-Ländern und darüber, wie der Schengen-Vertrag es ihnen ermöglicht, frei zu entscheiden, wo sie ihre Familie gründen und wachsen lassen wollen. Sie stellten ferner fest, dass das einfache Reisen zwischen den Ländern innerhalb der EU auch ihre Beziehung und die Besuche bei ihren jeweiligen Familien erleichtert hat.

Alles in allem haben unsere Gespräche in Luxemburg einmal mehr gezeigt, wie vielfältig und gleichermaßen interessant die unterschiedlichen Stimmen und Meinungen der europäischen Bürger*innen sind. Auch wenn es schwierig war, Menschen für die Gespräche zu gewinnen, haben diejenigen, die bereit waren, einen enormen Beitrag zu unseren Debatten geleistet und mit Freude persönliche Erfahrungen weitergegeben. Wie erhofft, erschuf der Bau des Europe Domes eine europäische Öffentlichkeit und damit einen vielfältigen Raum für offene Diskussionen und positive Kommunikation. Nachdem ich sowohl Teil des Aufbaus als auch der Durchführung der Veranstaltung war, bin ich stolz und glücklich über das Ergebnis, Europa durch die Stimmen der Bürger*innen besser zu machen – oder zumindest einmal gründlicher zu diskutieren.

Video der Dome-Talks in den Niederlanden
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Einige Eindrücke unseres Dome-Events: