Europe Jam zu Erfahrungen der Migration und Minderheiten 🇪🇺

von | 31. Oktober 2020

In der dritten Ausgabe der Europe Jams haben mit Minoritäts- und Migrationserfahrungen zwei große Themenbereiche miteinander verbunden, die über einige Berührungspunkte verfügen. Wir wollten uns in dieser Sitzung gerade mit den Erfahrungswerten der Teilnehmer*innen beschäftigen, um Platz für unterschiedliche Sichtweisen zu schaffen. Unser Praktikant Max Tjong-Ayong berichtet.

Wie in den letzten Wochen startete der Europe Jam zunächst mit einer kurzen Vorstellungsrunde, in der Teilnehmer*innen aus Deutschland, Österreich, Belgien, Polen, Tschechien, Südafrika und den USA zu Wort kamen. Die kleine, aber vielfältige Gruppe diskutierte zunächst über die größten Herausforderungen der krisengebeutelten EU-Migrationspolitik.

Zwei Teilnehmer*innen wiesen darauf hin, dass Migration und Mobilität in der Menschheitsgeschichte immer wieder dazu beigetragen haben, Überleben zu sichern und Lebensumstände zu verbessern. Mit Migration verbundene Probleme ließen sich nicht durch die Schließung von Grenzen lösen. Mehrere Teilnehmer*innen drückten ihren Unmut über die EU-Migrationspolitik und die Folgen des Flüchtlingsabkommen mit der Türkei aus. 

Eine weitere Herausforderung sahen die Anwesenden in der Spaltung der Gesellschaft: Eine Teilnehmerin berichtete von grundsätzlich unterschiedlichen Meinungen zur Einwanderung in die EU innerhalb ihres Freundeskreises. 

“Wir brauchen ein System, welches die notwendige Lebensqualität für Geflüchtete bereitstellt – was wir in Moria gesehen haben ist absolut inakzeptabel für die Europäische Union”.

Teilnehmender des Europe Jams

„In der Tschechischen Republik wird die Integration der vietnamesischen Community oft benutzt um andere Gruppen von Immigrant*innen oder Geflüchteten abzuwerten.“

Teilnehmende des Europe Jams

Eine andere Teilnehmerin teilte der Gruppe mit, dass gerade ältere Menschen in der Tschechien Einwanderung oft kritisch sähen und es zu einer hohen Stereotypisierung von Einwanderergruppen käme.

Doch gerade in der unterschiedlichen Wahrnehmung von Migration in verschiedenen Altersgruppen sahen die Teilnehmer*innen auch Chancen für die zukünftige Migrationspolitik: Das Umdenken jüngerer Altersgruppen deute auf eine sich langsam verändernde Wahrnehmung von Migration hin. Hier könnten NGOs und Zivilgesellschaft entscheidend dazu beitragen, eine fundiertere Auseinandersetzung mit den Ursachen, Erfahrungen und Folgen von Migration zu gewährleisten.

Der hohen Emotionalisierung der Themen „Migration“ und „Flüchtlinge“ könnte auf diese Weise entgegengewirkt werden, sodass Diskussionen innerhalb der Gesellschaft sachlicher und zielgerichteter geführt werden könnten.

Unser Europe Jam zu Migration und Minderheiten

Die Teilnehmer*innen waren sich weitestgehend einig, dass bestehende Hürden abgebaut werden sollten. Insbesondere sollten Migrant*innen und Minderheiten politisch besser vertreten werden, als es momentan in der EU der Fall ist.

Zum Ende der Veranstaltung wurde noch die Frage aufgeworfen, inwieweit direktdemokratische Prozesse dazu beitragen könnten, ein besseres Bewusstsein für Migrations- und Minderheitserfahrungen zu schaffen.  Zwei Teilnehmerinnen merkten dabei an, dass das System, in dem solche Prozesse stattfinden, entscheidend wäre.

Um Entscheidungen zu emotional aufgeladenen Themen wie Migration treffen zu können, bräuchte es Erfahrung im Umgang mit direkter Teilhabe und Informationen. Schweizer Volksabstimmungen hätten beispielsweise gezeigt, dass extremistische und radikale Tendenzen von Schweizern abgelehnt würden.

In Großbritannien dagegen, wo die Menschen über weniger Erfahrung mit direktdemokratischen Prozessen verfügen, hätten die Ergebnisse des Brexits gezeigt, dass die Bürger empfänglicher für Emotionalisierung und Falschinformationen sind.

„Das Thema Migration sollte nicht so emotionalisiert werden. Rational sollten wir über Zahlen und Fakten sprechen, sodass Menschen verstehen warum Menschen aus einigen Ländern emigrieren und was unsere Verantwortung ist.”

Teilnehmende des Europe Jams

Einige Fotoeindrücke von unserem Event:

Die kleine, aber vielfältige Zusammensetzung der Teilnehmer*innen des Europe Jams on Minority and Migratory Experiences ermöglichte allen eine freie Diskussion – alle Anwesenden konnten zu Wort kommen und über ihre persönlichen Erfahrungen zu den Themen der Sitzung berichten. Besonders glücklich waren wir auch darüber, dass ein paar bekannte Gesichter aus vergangenen Europe Jams wieder an unserer Gesprächsrunde teilgenommen haben und unser Format auch weiterhin mit interessanten Denkanstößen und Erfahrungsberichten unterstützen!

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