Warschau | Die Warschauer Königlichen Gärten – Łazienki Królewskie – sind wieder einmal zum Ort der Diskussion geworden, denn dort fand die fünfte Station der Remember Tour statt. Dank einiger Teilnehmer*innen aus Nicht-EU-Ländern hatten wir die einmalige Gelegenheit, Europa aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Die gesamte Veranstaltung wurde durch das Freiluftkino zusammengefasst.

Pawel Bacal von unserer Partnerorganisation Polska Fundacja im. Roberta Schumana schildert seine Eindrücke von den Diskussionsrunden in Warschau.

Die Königlichen Gärten im Zentrum der polnischen Hauptstadt sind vor allem durch den letzten polnischen König, Stanisław August Poniatowski, bekannt. Er wählte diesen Ort zu seiner Sommerresidenz und organisierte dort die berühmten „Donnerstagstreffen“. Bei diesen Veranstaltungen besprach er mit den einflussreichsten Persönlichkeiten der damaligen Zeit verschiedene Aspekte der Funktionsweise des Staates.

Diese Treffen führten unter anderem zu großen Reformen des Staates, darunter die erste Verfassung Europas – die Verfassung vom 3. Mai. Daher war es nur naheliegend, die Diskussion ein weiteres Mal in den Königlichen Gärten abzuhalten. Die Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit unserem lokalen Partner, der polnischen Robert-Schuman-Stiftung, organisiert.

Wir haben die Diskussion damit begonnen, dass die Teilnehmer*innen ihre Gefühle über Europa und dessen Zukunft zum Ausdruck brachten. Vor allem die jüngsten Teilnehmer*innen wiesen darauf hin, dass es schwer zu sagen ist, was das grundlegende Ziel des heutigen Europas ist. Ältere Generationen könnten sagen, dass es bei Europa um Frieden geht oder in den späteren Jahrzehnten um die Schaffung des gemeinsamen Marktes – aber für die Jugend sind diese Errungenschaften so offensichtlich und selbstverständlich, dass sie nicht als etwas Besonderes angesehen werden.

Dank einiger Teilnehmer*innen aus Nicht-EU-Ländern hatten wir die Gelegenheit, verschiedene Wahrnehmungen von Europa kennenzulernen. Es stellte sich heraus, dass die EU von außen betrachtet ein großartiges Beispiel für Zusammenarbeit ist und dass andere Länder ihrem Beispiel folgen sollten. Gleichzeitig haben sich die meisten unserer europäischen Teilnehmer*innen eher auf die Probleme konzentriert, mit denen die EU derzeit konfrontiert ist.

Eines der wichtigsten Probleme, das von den Teilnehmer*innen angesprochen wurde, war das mangelnde Wissen über Europa und die Möglichkeiten, die es uns bietet. Wir waren uns einig, dass die Nationalstaaten sehr oft versuchen, die EU für ihre eigenen Fehler verantwortlich zu machen – die erste Phase der COVID-19-Pandemie war nur eines der Beispiele. Außerdem können die Euroskeptiker*innen eine solche Situation ausnutzen und die Menschen erfolgreich von ihrer Sichtweise überzeugen – genau das ist im Falle Großbritanniens geschehen, wie einige der Anwesenden betont haben. Was die Lösung des Problems des geringen Bewusstseins der Bürger*innen angeht, so betonten die Teilnehmer*innen die Rolle jedes Einzelnen, der eine gewisse Erfahrung mit Europa hat. Wenn diese Menschen ihre Gefühle über Europa mit Gleichaltrigen teilen, könnte dies eine viel bessere Wirkung haben als viele Informationskampagnen.

Unsere fruchtbare Diskussion musste irgendwann zu Ende gehen, aber das war nicht das Ende der ganzen Veranstaltung, denn unser lokaler Partner hat auch das Freiluftkino organisiert. Unsere Teilnehmer*innen, aber auch andere Passanten, hatten die Gelegenheit, die Filmreihe (Bad) Weddings 2 zu sehen.