Ein sicherer Raum für demokratische Ideen: Unser musikalischer Abend in Burgas

Burgas | Das Expo Centre Flora in Burgas mit seiner modernen und grünen Architektur war unser spannender Veranstaltungsort für die dritte Station der diesjährigen Remember-Tour! Mitten im beeindruckenden Seaside Park der Stadt gelegen, der sich über einen Großteil der Küstenlinie erstreckt und mit Statuen der einflussreichsten Persönlichkeiten von Burgas und einem Denkmal aus der sozialistischen Ära gesäumt ist, hätte der Ort nicht inspirierender sein können. Und auch die sanfte Brise vom Meer her, das nur einen Katzensprung entfernt war, trug dazu bei, dass die Diskussion bei über 30 Grad Celsius am 6. August um 18 Uhr in Gang kam.

 Die Tradition der Flora Burgas begann im Jahr 1980, als zum ersten Mal eine internationale Blumenausstellung, die „Flora“, auf dem Gelände stattfand. Im Jahr 2013 beschloss die Gemeinde, ein modernes Gebäude zu errichten, das nicht nur die Ausstellung beherbergen sollte, sondern auch die Möglichkeit zur Entwicklung des Kongresstourismus und internationaler Ausstellungen bieten konnte. Das neue Flora-Expositionszentrum wurde am 20. Mai 2015 eröffnet.

Das Gesamtkonzept des Ausstellungszentrums Flora basiert auf drei Hauptsäulen – Funktionalität, Ästhetik und Wirtschaftlichkeit. Mit seiner grünen Identität und seiner einzigartigen Lage im Herzen des Seaside Parks ist es nicht verwunderlich, dass die Flora zum beliebten Hotspot für Bürger*innen und Gäste der Stadt wurde. Heute bietet das Gebäude nicht nur Räume für Seminare, sondern beherbergt auch ein Café und während unseres Aufenthalts eine Papageienausstellung.

Unsere Partnerin vor Ort war Daniela Bozhinova, kürzlich gewähltes Stadtratsmitglied in Burgas und Vorstandsmitglied der NGOs Bulgarische Vereinigung zur Förderung der Bürger*inneninitiative und Democracy International. Sie erklärte, dass die Demonstrationen, die den demokratischen Wandel des Landes auslösten, zwar im Stadtzentrum auf dem Kyrill-und-Methodius-Platz stattgefunden hatten, der Seaside Park aber immer der sicherste Ort war, um heimlich zu diskutieren und für diesen tief verwurzelten Wandel zu mobilisieren – daher ist der Park auch unser Erinnerungsort in Burgas!

Wenn Sie mehr wissen wollen, gibt Daniela in diesem Video weitere Einblicke –> –>

Zur Erinnerung an diesen demokratischen Übergang und zur Einstimmung auf den Rest der Diskussion, begannen Aktivist*innen der Demonstrationen von 1989 zu Beginn der Veranstaltung mit einem Rückblick auf die Ereignisse, die den demokratischen Wandel in Burgas und Bulgarien ausgelöst hatten. Stoian Prodanov, ehemaliger Vorsitzender der BZNS (Landwirtschaftspartei) und ehemaliger Parlamentsabgeordneter, erinnerte daran, wie politische Parteien und Pluralismus im Land nach 1989 wiederhergestellt wurden.

Danka Georgieva von der Archivabteilung erzählte kurz von ihrem aufregenden Treffen mit dem französischen Präsidenten Miterrand am Vorabend des Zusammenbruchs des totalitären Regimes, als sie noch Studentin an der Kliment-Ohridski-Universität in Sofia war. Rumen Lozev, Journalist der damals ersten demokratischen Zeitung „Democrazia“, erinnerte sich, wie er und seine Kolleg*innen sich Europa als eine ferne und unerreichbare „Schönheit“ vorstellten.

Andere diskutierte Themen waren europäische Demokratie und die Probleme junger Menschen und Bulgarien und ganz Europa.

Unter den mehr als 40 Teilnehmenden waren mindestens ein Dutzend junger Leute, Schüler*innen der Oberstufe. In der zweiten Diskussion sprach eine von ihnen, Bozhana Slavkova (16), eine Umweltaktivistin, über ihr letztes Projekt „Embraced Nature“: eine Kunstinstallation, die auf drängende Probleme der Fast Fashion wie die Abholzung in Städten und Wäldern aufmerksam machte.

Zwischen den Diskussionen rundete die einheimische Sängerin Roza Bozhinova den Abend mit ihrem wunderbaren Soloauftritt in Englisch und Bulgarisch ab. Die musikalische Unterbrechung trug zur Auflockerung der Gespräche bei und zog viele bisher unbeteiligte Passant*innen an. Go, Roza!

Diesen Post teilen:

Daniela Bozhinova und Petko Kovachev moderierten jeweils eine Diskussion und ermutigten die Teilnehmenden, Vorschläge, Lösungen und Ideen zu formulieren, die in den Ideenkatalog und die Bürger*innenplattform der Konferenz zur Zukunft Europas aufgenommen werden sollen.

Die Teilnehmenden der Veranstaltung waren Politiker*innen, Vertreter*innen von Vereinen, Studierende, einheimische und ausländische Bürger*innen unterschiedlichen Alters und Hintergrunds. Und nicht zuletzt wollte sich auch der goldene Gorilla die Gelegenheit nicht entgehen lassen, sich zu erinnern, zu feiern und nach vorne zu schauen.

Was uns von unserem Aufenthalt in Burgas auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird, ist der Mut der Aktivist*innen, die den demokratischen Wandel im totalitären Regime Bulgariens eingeleiteten – und dass das Land auch heute noch viele Aktivist*innen hervorbringt, welche die notwendigen Veränderungen für ein besseres Leben seiner Bürger*innen und eine fruchtbare Zukunft in der EU herbeiführen.

„Gemeinsam“ war nur eine der Assoziationen mit der EU, die die Teilnehmenden in ihren Schlussbemerkungen zum Ausdruck brachten. Und nichts hätte dies besser unterstreichen können, als die Kulisse mit der wahrscheinlich größten bulgarischen und europäischen Flagge, die Seite an Seite im Sonnenuntergang schwangen.

Einige Eindrücke unserer Dome-Talks