Fühler ausstrecken nach Westen und Süden

von | 6. Oktober 2018

In unserer Österreich-Tour steht noch ein Termin aus. Am 16. Oktober werden wir zu einem „inklusiven Dome-Talk“ noch einmal die Kuppel aufbauen – in Wien, wo im Juli auch die Auftakt-Veranstaltung stattgefunden hat. In der Zwischenzeit aber waren wir – mit einem Schlenker nach Südtirol – im Westen Österreichs unterwegs und haben innerhalb einer Woche an vier Orten acht Kuppelgespräche absolviert. Die Fotos davon sind online und auch zwei der Videos schon geschnitten. Die weiter Dokumentation für unser „Zukunft-Archiv“ mit Videos und detaillierten Berichte werden nach und nach folgen. Doch vorab ein erster Bericht von dem Wiener Crew-Mitglied Ines Kanka zu unseren September-Terminen in Westösterreich und Südtirol.

Salzburg, Brennerpass, Bozen und Bregenz – zu diesen Orten brechen wir am 8. September im Rahmen unserer Österreich-Tour zur EU-Ratspräsidentschaft  (inkl. Südtirol/Italien) auf, um durch den Aufbau der Kuppel einen Raum für das Gespräch zu schaffen, mit ganz verschiedenen Menschen und zu unterschiedlichen Fragestellungen. Immer geht es um Zukunftsthemen für uns als europäische Bürgerschaft. Wir sind gespannt, was uns erwartet und hoffen, dass unsere Vorbereitungen für ein gutes Gelingen ausreichen! Doch jetzt müssen wir erst einmal schauen, ob alle Teile der Kuppel, die zerlegbaren Papphocker, die Leiter, Tafel und Kreide, die Videoausrüstung und das weitere Equipment, mit unserem persönlichen Gepäck und uns dreien überhaupt in den VW-Bus passen? Irgendwie lässt sich alles einfügen und die Fahrt kann losgehen!

… vor der Kulisse des des Doms

Die Kuppel in Salzburg am 9. September 2018 …

Schon das Prozedere, um zu erreichen, dass wir an den verschiedenen Orten die Kuppel aufbauen dürfen, hat sich von Ort zu Ort als sehr unterschiedlich erwiesen. Einmal ein bürokratischer Wust an Genehmigen mit verschiedenen Ansprechpartnern für die Aufstellung der Kuppel und die Zufahrt des Autos, einmal reicht hoffentlich die mündliche Zusage und der Handschlag des Bürgermeisters. Mit einem gewisses Maß an Mut zum Ungewissen machen wir uns auf den Weg. Denn noch weitere Fragen beschäftigen mich:

Wird der Aufbau der Kuppel mit den neuen, optimierten Verbindern reibungslos klappen? Wer wird von der Vielzahl an geladenen Gästen tatsächlich aufkreuzen? Einige kurzfristige Absagen machen mich etwas bange. Werden sich auch Passantinnen und Passanten trauen, mit unter die Kuppel zu kommen? Gelingt dann ein gutes Gespräch, wo alle Beteiligen einander zuhören und aufeinander eingehen? Oder tauchen gar Störenfriede auf, mit denen es spontan umzugehen gilt? Und vor allem: Spielt das Wetter mit? Der Wetterbericht änderte sich täglich, eimal verspricht er Sonne, einmal warnt er vor Regen. All diese Fragen gehen mir durch den Kopf.

Doch dann, wenn wir in aller Früh mit dem Auto auf dem Platz vorfahren, auf dem Mozartplatz in Salzburg, auf dem Kirchplatz auf dem Brennerpass, auf dem Universitätsplatz in Bozen und auf dem Platz vor dem Vorarlberg-Museum in Bregenz, entfaltet sich jeweils ein langer und ereignisreicher, wundervoller Tag mit vielen Handgriffen bis die Kuppel steht und mit intensiven Begegnungen unter der Kuppel und bis in den Abend hinein, sodass mir so ein “Kuppel-Tag“ fast wie drei vorkommt!

Und dann heißt es wieder weiterziehen und sich auf einen neuen Ort mit seinen eigenen Gegebenheiten und den neuen Menschen mit ihren Vorstellungen einzulassen und zu merken, dass nichts vor Ort so ist und gedacht und empfunden wird, wie ich mir das vielleicht im fernen Wien zuvor zusammengereimt habe. Das sind wertvolle Erfahrungen, die ich mitnehme und so mag es wohl auch bei den übrigen Gästen unter der Kuppel der Fall sein.

Dome-Talk auf dem Brenner – gemeinsam mit dem Omnibus für Direkte Demokratie 

Brenner 11. September: Aufbau vor der Kirche – Ines Kanka verschraubt den letzen Verbinder.

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Die Aufgabe der European Public Sphere bei ihrer Reise durch die Lande besteht darin, europäische „Bausteine“ zusammenzutragen. Wir nehmen auf, was an Erfahrungen und Vorstellungen bei den verschiedenen Menschen vorliegt und wollen mithelfen, aus diesen Mosaikteilen ein Bild von einem zukünftigen Europa zusammenzufügen. Ein spannender Bottom-up-Prozess, der mir im Laufe unserer Reise immer notwendiger erscheint. 

Wir sammeln Ideen und diskutieren gleichzeitig, was aus den konkreten und lokal recht unterschiedlichen Erfahrungen für das Zusammenwirken im europäischen Ganzen gelernt werden kann: In Salzburg treffen wir eine bunte und aktive Zivilgesellschaft und sprechen über das Thema Sicherheit. Am Brenner steht das Thema Grenzen im Mittelpunkt; die Begegnung mit den Freunden vom Omnibus für Direkte Demokratie, mit denen wir dort und auch in Bozen zusammentreffen, ist dabei sehr bereichernd. Auch die Zusammenarbeit mit dem Neuropa-Projekt, mit dem wir bereits in Spanien auf dem „Camino revolta“ Europa in den Blick genommen haben, kann sich auf unserer unserer Tour etwas fortspinnen. In Bozen knüpfen wir neue Freundschaften zur südtiroler Demokratie-Bewegung und in Bregenz gelingt es Initiativen aus der Schweiz, aus Deutschland und Österreich zu dem spannenden Thema „Gemeingut Boden“ zu vernetzen.

Am 15. September in Bregenz mit Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz

13. September: Zweisprachig in Bozen

All das wird in einzelnen Berichten und weiteren Videos bald verfügbar sein, gemeinsam mit den Früchten, die wir in Rom beim „Global Forum on Modern Direct Democracy“, wo die Kuppel drei Tage auf dem Kapitolinischen Hügel stand und zu Gesprächen und Workshops einlud. Jetzt kann es bald Winter werden, um auch die liegengeblieben Arbeiten erledigen zu können. 

Abschließend kann ich sagen, dass die Einblicke in die Lebens- und Gedankenwelt der Menschen, denen ich bei unserer Tour begegne, mich weiter begleiten werden, wenn ich nach dieser ereignisreichen Woche auf Achse jetzt wieder mehr am Schreibtisch sitze, um unsere zukünftigen Kuppelveranstaltungen mit vorzubereiten. Ich bin gespannt, wohin mich die Reise mit dieser wunderbaren und bereichernden Initiative European Public Sphere noch führen wird!

Die Video-Dokumentation von zweien der Dome-Talks liegt bereits vor:  

 

Sicherheit! Welche Sicherheit? Dome-Talk in Salzburg

EUROPA(S) GRENZEN(LOS) – Dome-Talk auf dem Brenner

Einige weitere Fotoeindrücke von unseren Stationen: