Als die Kuppel wider-stand

von | 5. September 2018

Manheim, Deutschland | Hambacher Forst, 18. August 2018. In der brütenden Hitze wächst der Europe-Dome anlässlich des camp for [future] in die Höhe. Gegen 17.30 nähern sich ca. 120 fahnenschwingende Jungaktivist*innen über den steppenartigen Grund dem Widerstandsacker des BUND NRW.

Zum Abschluss der NRW-Tour kommt noch einmal ein ganz besonderes Highlight: Die European Public Sphere reist zum camp for [future] 2018. Das camp for [future] fand dieses Jahr vom 17. bis 26. August statt. Es schafft einen Experimentierraum für junge Menschen, die sich für vielfältige Zukunftsthemen interessieren, spannende Lösungsansätze kennen lernen und gemeinsam mit viel Spaß selbst für den Klimaschutz aktiv werden wollen. Ähnlich der European Public Sphere ermöglicht das Camp den Austausch und die Vernetzung der Teilnehmenden aus unterschiedlichen Hintergründen. Es informiert und motiviert aktiv zu werden für eine zukunftsfähige Gesellschaftsgestaltung. Hauptthema: Braunkohleförderung des RWE im Hambacher Forst.

Und dem Tagebau kam der Dome gefährlich nahe: Für seinen ersten Stopp im Hambacher Forst wurde er auf dem ca. 10 Gehminuten vom Camp entfernten Widerstandsacker des BUND errichtet – dem einzigen Grundstück in der Nähe der Grube, dass der RWE bisher nicht aufkaufen konnte.

Video der Dome-Talk im camp for [future] am 18. und 23. August 2018
„Ich denke, dass Umwelt im Prinzip das wichtigste Thema unserer Zeit ist. Alle Dinge, für die Menschen kämpfen auf dieser Welt, benötigen eine Umwelt. Egal wofür man sich einsetzt, ich finde, man muss sich auch gleichzeitig für die Umwelt einsetzen, sonst macht man das nicht konsequent. Und ich finde, dass wir das Thema als solches auch verstehen sollten.“ Teilnehmer unter der Kuppel

Und der Acker ließ uns alle wie Teil eines Westerns fühlen. Umgeben von Feldern, die in der Mittagshitze einer trockenen Steppe gleichen, keine Menschenseele soweit das Auge reicht und im Hintergrund der gigantische Tagebau mit seinen emporragenden Baggern. Auf dem Widerstandsacker selbst die Überreste eines Kreuzes, welches für den Protest gegen Braunkohle stand und in diesem zerstört wurde. Im Hintergrund sein Nachfolger, ein weiteres gelbes Kreuz mit der Aufschrift „Hambacher Forst bleibt!“ in noch größerer Ausführung. Als symbolischer Schutz vor den Baggern des RWE umfasst den Acker ein kleiner Erdwall – selbst ausgehoben mit einem gemieteten Fahrzeug. Beim Umherschauen immer wieder wurzelartige Gewächse auf dem Boden, die stark an die umherwirbelnden Büsche aus Westernfilmen erinnern. Solch ein „Steppenläufer“ wurde dann auch zur Tischdekoration in der Mitte der Kuppel. Unterbrochen wird der Aufbau nur von einigen „Sheriffs“, zwei Polizisten in ihrem Gefährt, die nach dem Rechten sehen wollen.
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Dann kommt die Invasion der Camp-Bewohner. Bereits aus der Ferne kann man die sich nähernde Meute von 120 Menschen ausmachen. Bestückt mit Fahnen, Bannern und Rufen für eine umweltfreundliche Welt ohne Braunkohle bewegen sie sich über die Felder Richtung Europe-Dome. Unter den wachsamen Augen der Anwesenden erhebt sich eine mitgebrachte Drohne in die Höhe und fasst das Spektakel in Bilder. Wahrscheinlich aufgeschreckt durch den plötzlichen Trubel auf dem Acker besuchen uns die „Sheriffs“ der Gegend ein weiteres Mal – diesmal sicherheitshalber mit einer mehrere Fahrzeuge starken Verstärkung.

Nach der Ankunft erfahren die Teilnehmenden, was es mit dem Widerstandsacker auf sich hat. Danach sind alle eingeladen dem Gesprächskreis unter der Kuppel beizutreten. Und der Dome ist gut gefüllt! Thema Numm er 1: Natürlich Klimaschutz. Doch auch Demokratie, Mitbestimmung und die verschiedenen politischen Entscheidungsebenen kommen nicht zu kurz. Es zeigt sich nochmals, auch junge Menschen aus ganz Europa sind diskussionsfreudig und haben keine Angst, ihre Meinung zu äußern.

Am Ende der Veranstaltung wird das „Tipi“ in der Dämmerung für eine Nacht abgebaut. Ein letztes Mal besucht uns ein einsamer „Sheriff“ und zeigt sich begeistert von unserem Projekt. Vielleicht ein weiterer Gast für den folgenden Dome-talk?

Und der Europe-Dome steht den Aktivisten*innen auch weiterhin als Gesprächsraum zur Verfügung. Am nächsten Tag wird er im Camp selbst wiedererrichtet. Zwischen der Fahrradwerkstatt und den Schlafplätzen steht er allen bis zum Ende des camp for [future] offen. Am Donnerstag beherbergt er schließlich einen weiteren offiziellen Dome-Talk, eine Art Fazitrunde. Diesmal wird in kleinerer Runde intensiv diskutiert: über Klimaschutz, Bildung, Mitsprache und die Revolution.

Wir sind gespannt, was das nächste Treffen mit den Jung-Aktivist*innen hervorbringt.

Einige Fotoeindrücke von unserem Dome-Event: